Mainz 05-Keeper Loris Karius sollte die Chance bekommen, die er verdient

MAINZ – Im Leben meines Zauberneffen gab es eine kurze Phase, in der er Fußballprofi werden wollte. „Welche Position?“ „Torwart!“ „Wieso?“ „Weil das deine Lieblingsspieler sind.“ Erstaunlich, was so einem Dötzchen auffällt, aber er hatte Recht mit der Beobachtung: Diese Position und ihre Spieler habe ich besonders im Auge.

Nun steht Loris Karius zwischen den Pfosten, zum Glück: Er ist ein bärenstarker Rückhalt für das Team, hat in dieser Saison schon so manchen Punkt sprichwörtlich festgehalten oder aber verhindert, dass aus Niederlagen echte Klatschen wurden – und sein Elfmeterkillerinstinkt ist aktuell unglaublich. Kaum verwunderlich also, dass zuletzt durchaus mal die Frage gestellt wurde, ob er nicht ein Kandidat für die Nationalelf wäre. Karius selbst lässt sich von derlei Reporteranliegen nicht aus der Ruhe bringen und beteuert freundlich, er warte nicht neben dem Telefon auf einen Anruf des Bundestrainers. Leider wäre das derzeit wohl tatsächlich Zeitverschwendung, aber warum eigentlich?

An Neuer führt kein Weg vorbei

Natürlich hat Karius das Pech, im Land der Torhüter zu leben. An Manuel Neuer führt aktuell kein Weg vorbei, und auch wenn es Fußballbeobachter gibt, die jeden seiner Fehler hämisch beklatschen, hat er sich diese unangefochtene Stellung nicht zuletzt beim Turnier in Brasilien verdient. Aber dann wird es schon spannend: Warum hält Löw an Marc-André ter Stegen fest, der in Barcelona nur Teilzeit arbeiten darf? Wäre Bernd Leno auch im Aufgebot der letzten Testspiele gewesen, wenn er nicht für den Nationalelf-Lieferanten Leverkusen spielen würde? Und kann mir bitte jemand erklären, was der Bundestrainer an Ron-Robert Zieler gefressen hat, denn so sehr ich mich seit Jahren bemühe: Ich sehe es einfach nicht…

In einer idealen Welt sollte man voraussetzen können, dass Spieler nur aufgrund von Leistung berufen werden und ihr Verein keine Rolle spielt, aber ist das so? Und zugegeben, die Frage ist aus meinem persönlichen Empfinden rhetorisch… Kein Wunder, schließlich musste Kevin Trapp auch erst nach Paris wechseln, um seine Chance zu kriegen. Was aber, wenn wir Loris behalten und trotzdem gerne im Nationaldress sehen wollen? Auch die übermächtigen Bayern zu schlagen, hat die Mission leider nicht vorangebracht. Vielleicht könnten die Hoteliers der Umgebung ein Gutscheinpaket für Jogi Löw zusammenstellen, um ihn nach Mainz zu locken. Wenn das nicht klappt, wird er ein paar Samstage in einer Loge eingesperrt. Das darf er bitte nicht falsch verstehen – wir wollen nur, dass Karius die Chance bekommt, die er verdient.